Kategorie: Afrika

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Geht es wirklich um humanitäre Ziele? Imperialistische Intervention Frankreichs in Zentralafrika

„Wenn ich mir vor Augen führe, was vor einer Woche geschehen ist – die Massaker, die Seuchen – dann sage ich mir: was ein Glück – die Franzosen sind da, Frankreich steht zu seinen Werten und seinen Grundsätzen. Wie gut, dass Frankreich die Afrikaner unterstützt, wie gut, dass Frankreich dort ist und die Ausschreitungen und die Massaker verhindert.“


So äußerte sich Frankreichs Staatspräsident François Hollande bei einem Besuch in Französisch-Guayana über das militärische Eingreifen Frankreichs in Zentralafrika; ähnlich wie in Libyen und in Mali, so versicherte er, sei die Entsendung von Truppen nach Zentralafrika die Antwort auf eine humanitäre Krise.

Die Wahrheit sieht jedoch ganz anders aus. Worauf das Eingreifen abzielt, sind die wirtschaftlichen und strategischen Interessen Frankreichs in Zentralafrika und in dessen Nachbarstaaten. Seit jeher haben die Werte und Grundsätze des französischen Imperialismus nichts zurückgelassen als eine Spur von Blut, Leid und Zerstörung. Dazu gehören Komplotte, Staatsstreiche, gestützte und bewaffnete Diktaturen, gefälschte Wahlen, Morde an Gegnern, Massaker, Folter, Unterdrückung und Plünderung der Naturschätze Öl und Gas, Uran, Mangan, Kupfer, Diamanten. Dies sicherte auf der Grundlage grauenhafter Unterdrückung und Aushungerung der afrikanischen Völker exorbitante Profite für gigantische Großkonzerne wie Elf Aquitaine. Wenn eines Tages der Schleier des Schweigens und der Lügen über „Françafrique“ („Französisch-Afrika“) endlich gelüftet wird, dann wird offenbar werden, dass es sich um einen der schrecklichsten und blutigsten Abschnitte der Menschheitsgeschichte handelt.

Die sogenannte „Unabhängigkeit“ hat die ehemaligen Kolonien in Schwarzafrika nicht aus dem Würgegriff des Imperialismus befreit. Als Gendarm Afrikas hat Frankreich korrupte Diktatoren mit Waffen und Geld ausgerüstet. Von Fall zu Fall hat französisches Militär hier „Stabilität“ gewährleistet und eingegriffen, um unerwünschte Regierungen zu schwächen und zu beseitigen. Im Zuge ausgedehnter Manöver zur Bestechung und zur Verkehrung des Gemeinwohls wurden die Politiker und einflussreichen Parteien mit Geldern überhäuft. Elf Aquitaine regierte wie ein Staat im Staate mit eigenen Milizen und Geheimdiensten als absoluter Herrscher über die Gebiete, die den Konzern interessierten.

Weit entfernt von jedem Menschenrecht hat der französische Staat nie gezögert, Hunderttausende dem Verhungern und dem Gemetzel preiszugeben – ob in Biafra, in Ruanda oder welchem unter vielen weiteren Ländern auch immer – um seinen Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent zu erhalten und erweitern. Das Treiben seiner Geheimdienste, seiner Armee und seiner Söldnertruppen wurde gesteuert von der berühmten „Cellule africaine“ im Elysèe-Palast – außerhalb von jeder Kontrolle durch das Parlament oder selbst die Regierung. In der Folge der Elf-Affäre wurden daran einige kosmetische Korrekturen vorgenommen, doch im wesentlichen besteht das gesamte System der Ausplünderung und des Interventionismus bis heute weiter.

Zentralafrika hat, wie schon sein Name besagt, eine zentrale geographische Lage im afrikanischen Kontinent. Aber es hat auch einen zentralen Platz im „grand jeu“, dem großen Spiel der imperialistischen Mächte inne. Ausgehend von seinen militärischen Stützpunkten in Zentralafrika ist Frankreich in der Lage, in der gesamten Region binnen kürzester Zeit einzugreifen – im Tschad, in Kamerun, Kongo oder Gabun zum Beispiel. Frankreich war bei jedem Regimewechsel in Zentralafrika unmittelbar beteiligt. Es hat den zentralafrikanischen „Kaiser“ Bokassa ausgerüstet und finanziert, solange er an der Macht war, also von 1966 bis 1979. Im Jahr 1977 hat Frankreich die lächerliche Zeremonie seiner Krönung als Potentat mit napoleonischen Allüren arrangiert. Aber im Jahr 1979, nach dessen Annäherung an Libyens Staatschef Gaddafi (im Konflikt mit Frankreich während des Tschad-Krieges), setzte es französische Spezialkräfte ein, um Bokassa zu stürzen.

Zentralafrikas Expräsident François Bozizé hatte bereits mehrere Putschversuche unternommen, bevor er 2003 die Macht übernahm. Dabei spielte Frankreich eine entscheidende Rolle. Als 2006 Rebellen dessen Regime bedrohten, waren es französische Spezialeinheiten, die die Operationen gegen diese leiteten und die Luftschläge ausführten. Bozizé seinerseits verlor die Unterstützung Frankreichs, als er Verträgen zum Ölverkauf an China zustimmte. Der gegenwärtige Einsatz zielt darauf ab, das Regime seines Nachfolgers Djotodia zu stützen.

Der globale Einfluss des französischen Imperialismus ist seit Jahrzehnten im Rückgang begriffen. Seit 2005 hat Frankreich 20 Prozent seiner Marktanteile eingebüßt. Sein Anteil am afrikanischen Markt ist innerhalb von 10 Jahren um 50 Prozent geschrumpft. Mit den Interventionen in Libyen, in Mali und jetzt in Zentralafrika versucht es, seinen Einfluss zu behaupten – zu Lasten seiner Rivalen, allen voran der Vereinigten Staaten und Chinas. In Zentralafrika ist Frankreich nach wie vor der größte Investor. Air France, Bolloré (Logistik und Flussschiffahrt), Castel (Zucker), Total (Erdölprodukte), CFAO (Automobil) und France Télécom haben sich machtvoll in der dortigen Wirtschaft eingepflanzt. Besonders der Bergbau ist für Frankreich von wesentlicher strategischer Bedeutung. So hat der Energiekonzern Areva 2008 mit Bozizé einen Vertrag über 27 Millionen Euro geschlossen und damit die Schürfrechte für die Uranmine von Bakouma im Nordwesten von Bangui erworben.

 

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