Kategorie: Kultur

Wird die rechtspopulistische AfD im Bundestagswahlkampf 2017 auf Trollfabriken setzen?

Propaganda-Roboter sind keine Wahlkampfhelfer. Der Bundestagswahlkampf 2017 wird wahrscheinlich auch in den sozialen Medien intensiv geführt werden. Es ist zu erwarten, dass gerade konservative, rechtpopulistische Parteien zu diesem Mittel der elektronischen Propaganda greifen werden.


Erfahrungen hat man im US-amerikanischen Präsidentenwahlkampf gemacht. Eingesetzt werden Bots(Roboter). Es sind spezielle Programme die politische Propaganda im Sinn ihrer Auftraggeber verbreiten. Die Programme sind so ausgelegt, sich wie Menschen zu verhalten und wie Menschen zu kommunizieren. Social-Bots sind lernfähig und tauchen, als Menschen getarnt in soziale Netzwerke ein. Hauptaufgabe ist das Bloßstellen und Beeinflussen von Personen, Unternehmen oder anderer Organisationen. Es wird zum Beispiel versucht politische Debatten zu beeinflussen. Von Benutzern, Politikern und Journalisten können bestimmte manipulierte Meinungen aufgenommen und weiter verbreitet werden. Fachleute sind der Meinung, geschickte Hacker könnten Algorithmen entwickeln, die die Öffentlichkeit nachhaltig verändern. Bots haben die Fähigkeit Webseiten und Anzeigen anzuklicken. Es wird Interesse an bestimmten Produkten, Meinungen, Parteien und Angeboten vorgegaukelt, weil kein Unterschied zu echten Menschen erkennbar ist. Dadurch entstehen enorme Schäden im Handel und der Werbebranche. Der Wettbewerb kann verzerrt werden weil die Programme nicht nur eigene einfache Texte wie Wettervorhersagen schreiben, sondern auch Bewertungen auf Verkaufsportalen abgeben.

Besonders befallen von Bots sind die Online-Portale Twitter, Facebook und Instagram. Einige Fachleute schätzen, auf Facebook gibt es ca. 15 Millionen Accounts bei denen es sich um Bots handelt. „Bei Twitter ist es schon so weit, dass man als Nutzer nicht mehr zwischen Bot und Mensch unterscheiden kann“, sagt der Bot- Analyst Simon Hegelich Hochschule für Politik München (HfP). Auf Facebook sollen seiner Meinung nach bis zu 20 % der Accounts Trollmaschinen sein. Dies konnte aber noch nicht bewiesen werden.

Mit Social Bots hat man bereits Erfahrungen bei der Parlamentswahl 2015 in Mexiko, der Brexit-Abstimmung und der US-Präsidentenwahl. Eine Studie der Universität Oxford zeigt, dass jeder dritte Follower der US-Präsidentschaftskandidaten Clinton oder Trump Politiker in Wahrheit kein echter Mensch ist, sondern eine Maschine. Wer die speziellen Wahlkampfeinträge auf Facebook für Trump oder Clinton kritisch folgt muss der Meinung sein, in diesem Medium platzieren nur Spinner, Rassisten, Homophobe, Nationalisten und sonstige Hillbillys. Die Trollomaten überschwemmen das Netz mit kruden, für eine bestimmte Menschengruppe sensiblen Hasskommentaren und Verschwörungstheorien. Phrasen und bestimmte Textsequenzen werden gebetsbuchartig wiederholt. Texte werden mit einfachen, oft obszönen, satirischen Bildchen geschmückt. Die von Maschinen verfassten Texte sind grammatisch korrekt und meist fehlerfrei. Auffallend sind viele komplett aus Lexika übernommenen langen Zitaten und ähnlich programmierten Textpassagen.

Wie bereiten sich die deutschen Parten im Internet auf Bundestagswahl 2017 vor?

"Selbstverständlich werden wir Social Bots in unsere Strategie im Bundestagswahlkampf einbeziehen", gibt das Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel im Magazin Der Spiegel zu, "Gerade für junge Parteien wie unsere sind Social-Media-Tools wichtige Instrumente, um unsere Positionen unter den Wählern zu verbreiten." Damit ist die AfD die einzige Partei die den Einsatz von Social-Bots offen zu gibt. Zurzeit fällt der Einsatz von programmierten Propagandatrollen mit AfD und CSU- Hintergrund auf.

Alle etablierten Parteien wollen auf die Meinungsmacher verzichten. Die Bundeskanzlerin Frau Merkel hatte bei einer Veranstaltung der Jungen Union einen Schulterschluss der Parteien angeregt, um gemeinsam gegen den Einsatz von "Social Bots" zu kämpfen. Der CDU-Generalsekretär Peter Tauber, schließt den Einsatz der Roboter für seine eigene Partei aus.

Die SPD-Generalsekretärin Katarina Barley äußerte sich: "Die sozialen Medien werden in unserem Wahlkampf eine wesentliche Rolle spielen. Aber den Einsatz von Bots lehnen wir ab", zur AfD meint sie kritisch: "Mit der Ankündigung entlarvt sich die AfD mal wieder selbst. Die AfD hat offenbar kein Vertrauen in die eigenen Inhalte - sonst müsste sie nicht bei Facebook-Auftritten auf die Manipulation der öffentlichen Meinung zurückgreifen."

Der Bundesgeschäftsführer der Partei DIE LINKE, Matthias Höhn erklärte der Nachrichtenagentur Reuters. "Der Einfluss von Social Media auf soziale Bewegungen birgt enorme Chancen, aber auch unkalkulierbare Gefahren." "Social Bots" könnten eine Gefahr für die Demokratie sein. "Sie konstruieren ein falsches Meinungsbild und manipulieren, wenn auch nur indirekt, die Sicht auf die Welt und wirken auf unsere Wahrnehmung ein".

Was können wir von der miesen Propagandataktik der Rechtspopulisten und der herrschenden Klasse lernen. Wir müssen uns immer vor Auge halten, Ziel dieser Manipulationen ist es vor dem Volk die wirklichen Ziele kapitalistischer Klassenherrschaft zu verschleiern. Es reicht nicht aus, Ungerechtigkeiten und Widersprüche zu erkennen, man muss auch begreifen, Falsches von Richtigen zu unterscheiden. Die bürgerlichen Propagandamedien sind voller Lügen und Falschmeldungen, sie verschweigen oder verdrehen die Tatsachen. Einzig die wissenschaftliche Weltanschauung des Marxismus gibt uns die Möglichkeit, die Hintergründe und Zusammenhänge zu erkennen.

Es ist nicht leicht gegen diese Flut der Lügen anzutreten, doch es ist die einzige Möglichkeit die Welt zu erkennen, um sie im Interesse der ausgebeuteten und unterdrückten Massen dauerhaft zu verändern. Die objektiven Entwicklungsgesetze der Natur und Gesellschaft, die wissenschaftliche Theorie und Politik, die Strategie und Taktik der kommunistischen Bewegung müssen Grundlage unserer Tätigkeit sein. Wir müssen intensiver und nachhaltiger die Ideen des Marxismus (der Werke von Marx, Engels, Lenin und Trotzkis) verbreiten. Wichtig ist eine gründliche Erläuterung der Theorien. Dazu gehört auch, dass wir alle Fragen der Menschen beantwortend und systematisch, geduldig Vorgehen. Es gilt immer das Prinzip, die marxistischen Grundlehren sind unlöslich mit den Tätigkeiten von Arbeiterparteien und Gewerkschaften verbunden.

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