Kategorie: Afrika

Südafrikas blutgetränkte „Freiheit“

Das Massaker an den Bergarbeitern von Marikana hat gezeigt, dass sich seit dem Ende der Apartheid nicht viel geändert hat. Seit Monaten kämpfen die 3000 Bergarbeiter der Marikana-Mine bei Johannesburg um höhere Löhne. Die Arbeit unter Tage ist extrem hart und gefährlich.




Mit einem 25 kg schweren, ständig vibrierenden Bohrer bauen sie Platin ab. Durch herabstürzende Felsbrocken kommt es immer wieder zu Arbeitsunfällen. Nicht selten enden diese tödlich. Ihre Entschlossenheit diesen Kampf bis zum bitteren Ende zu führen, erinnert an Bert Brechts “Lied der Kommunarden”:

In Erwägung, daß ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr
schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.


Selbst als schwer bewaffnete Polizei die Mine umstellte, gaben sie nicht auf. Darauf folgte ein Massaker, dem 34 streikende Arbeiter zum Opfer fielen. Gezielt schoss die Polizei dabei auf Gewerkschaftsaktivisten. Dies war das größte Blutbad seit dem Ende der Apartheid. Der ganze Konflikt wirft ein grelles Licht auf die Machtverhältnisse im heutigen Südafrika. Die Mine befindet sich im Eigentum des multinationalen Lonmin-Konzerns. Die Führung der zuständigen Gewerkschaft NUM ist eng mit der Regierung verbunden und verfolgt eine sozialpartnerschaftliche Politik. Der ehemalige Generalsekretär des ANC, Cyril Ramaphosa, der selbst aus der NUM kommt, ist heute ein erfolgreicher Geschäftsmann und sitzt im Aufsichtsrat von Lonmin. Es sind diese Leute, die jetzt ein “friedliche Lösung zum Wohle des Unternehmens und ihren tausenden Beschäftigten” fordern.

Es gibt aber keine Anzeichen, dass die Lohnforderung der Bergarbeiter erfüllt werden. Was ist mit einer „friedlichen Lösung“ gemeint? Im Kapitalismus ist die Gesellschaft in Klassen basierend auf deren Rolle in der Produktion gespalten. Immer wieder brechen die Widersprüche zwischen diesen Klassen auf und führen zu offenen Auseinandersetzungen wie jetzt in der Lonmin-Mine. Die herrschende Klasse und die Regierung versuchen diese Gegensätze zu versöhnen, indem sie an das “Gesamtwohl der Nation” appelliert. Dies gilt umso mehr in Südafrika, wo die Regierungspartei ANC jahrzehntelang an der Spitze des nationalen Befreiungskampfes gegen das Apartheid-Regimes stand.
Der ANC und die mit ihm verbündete Kommunistische Partei (SACP) sind vor 20 Jahren nach dem Sturz des Apartheid-Regimes angetreten, um der schwarzen Bevölkerungsmehrheit die Teilhabe an der politischen Macht und einen höheren Lebensstandard zu garantieren. Doch nur eine kleine Minderheit unter den Schwarzen hat seither Karriere gemacht und ist in die herrschende Elite aufgestiegen. Die meisten von ihnen nutzten ihre Stellung im ANC oder in der Gewerkschaftsspitze für das persönliche Vorwärtskommen. Für die Masse hat sich aber nicht viel geändert, wie der Umgang der Justiz mit dem Massaker von Marinaka deutlich gezeigt hat. Dies ist das direkte Ergebnis einer Politik der Sozialpartnerschaft und der Klassenzusammenarbeit, wie sie der ANC, die SACP und der Gewerkschaftsdachverband COSATU seit 20 Jahren betreiben.

Das Prinzip der Klassenzusammenarbeit geht von der Vorstellung aus, dass die Teilung der Gesellschaft in Klassen ein positives und notwendiges Kennzeichen einer modernen Ordnung ist. Die Lehre von der Klassenzusammenarbeit leitet die Menschen dazu an die Ungleichheit als naturgegeben zu akzeptieren und die herrschende Ordnung zu bewahren. Außerdem besagt sie, dass der Staat die Klassengegensätze ausgleichen und “sozial gerecht” gestalten kann. Im Gegensatz dazu besagt die Lehre vom Klassenkampf, dass die arbeitenden
Klassen die herrschende Klasse und die existierende soziale Ordnung stürzen müssen, um die soziale Frage lösen zu können. Diese beiden Ideologien stehen sich heute in den traditionellen Massenorganisationen der südafrikanischen Arbeiterklasse unversöhnlich gegenüber. Die Politik der Klassenzusammenarbeit wird längst von mehreren Teilgewerkschaften abgelehnt. Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei die Metallergewerkschaft NUMSA. Das Zentralkomitee der NUMSA veröffentlichte nach dem Massaker von Marinaka eine äußerst spannende Stellungsnahme. Darin wird die Notwendigkeit eines „revolutionären Programms“ erläutert, weil die Befreiungsbewegung 1994 zwar die politische nicht aber die wirtschaftliche Macht bekommen haben. Die NUMSA fordert dabei die Verstaatlichung der Minen, aber auch der Schwerindustrie, der Banken und aller anderen Schlüsselsektoren der südafrikanischen Wirtschaft, „denn nur so lässt sich das Rückgrat des weißen Monopolkapitals brechen, das auch nach 18 Jahre der Demokratie unser Land in einer besonderen Art von Kolonialismus hält.

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