Kategorie: Kapital und Arbeit

Kita-Streik: 16.000 demonstrieren in Frankfurt

Einen Höhepunkt im seit knapp drei Wochen anhaltenden Streik für die Aufwertung der Arbeit in den bundesdeutschen Sozial- und Erziehungsdiensten bildete am Donnerstag die von den DGB-Gewerkschaften ver.di und GEW organisierte Kundgebung und Demonstration in Frankfurt am Main.

 


 

Ein Gefühl von Stärke und Entschlossenheit machte sich breit, als über 16.000 Streikende stundenlang unübersehbar das Straßenbild in der Bankenmetropole prägten und nach der Auftaktkundgebung auf dem aus allen Nähten platzenden Römerberg in einem stundenlangen Demonstrationszug durch die Innenstadt marschierten.

Viele selbst angefertigte Pappschilder mit fantasievollen Parolen signalisierten, dass dieser Arbeitskampf mit viel Herzblut und Leidenschaft geführt wird. "Wir sollen fördern - dann wollen wir auch fordern", "Erzieher sind unterbezahlte Bildungsmanager" oder "Wir wollen mehr und sind es wert, auf ihr Leute, greift zum Schwert", waren nur drei von hunderten dieser Parolen.
Die Streikbeteiligung sei nach seiner Wahrnehmung deutlich höher als bei der letzten großen Streikbewegung vor sechs Jahren", erklärte ver.di-Chef Frank Bsirske. So habe der Arbeitskampf auch Gemeinden erfasst, "von denen ich bisher noch nicht gehört habe und wo ich es nicht erwartet hätte".

 

Bsirske kritisierte, dass die im Kommunalen Arbeitgeberverband VKA organisierten Träger kommunaler Kindertagesstätten und Sozialeinrichtungen nach wie vor "toter Mann spielen" und offensichtlich den Streik "in Ruhe aussitzen" wollten. Er bekräftigte die ungebrochene Streikbereitschaft seiner Gewerkschaft, falls bei der laufenden Sitzung von VKA-Spitzengremien in einem Hotel am Frankfurter Flughafen bis Freitag kein "verhandlungsfähiges" Angebot an die Gewerkschaften gemacht würde. "Ohne tragfähige Lösung gibt es kein Ende des Streiks".

 

Bsirske freute sich über erste Bewegung in den VKA-Reihen. So träten inzwischen die Oberbürgermeister mehrerer wichtiger Großstädte wie Hannover, Saarbrücken, Dortmund oder Frankfurt für deutliche Zugeständnisse an die Streikenden ein, damit stünden sie aber bislang im Arbeitgeberlager noch in der Minderheit.

Präsenz und Gesicht zeigten bei der Kundgebung auch viele andere vom Kita-Streik betroffene Mütter und Väter, die aus der Not eine Tugend gemacht und ihre Kinder mitgebracht hatten. "Eltern-Solidarität" stand auf einem Pappschild. Entgegen vieler Medienberichte bestehe bei den meisten Eltern keine Anti-Streik-Stimmung, sondern Rückhalt und Verständnis für die Belange der Kita-Beschäftigten.

 

Stefan Körzell vom DGB-Bundesvorstand sicherte den Streikenden die aktive Unterstützung des Dachverbands und seiner Untergliederungen und Einzelgewerkschaften zu. So mischten sich inzwischen auch viele in Industriegewerkschaften organisierte Betriebsräte in den Konflikt ein und übten Druck auf die kommunalen Arbeitgeber aus.

In den aktuellen Tarifkonflikten in Kitas und bei der Post geht es auch um die Verteidigung und Wiederherstellung guter und erschwinglicher öffentlicher Dienstleistungen und erträglicher Arbeitsbedingungen. Das Potenzial für breite Solidaritätsaktionen und eine Bündelung der Kräfte ist da.

 

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