Kategorie: Kultur

Wirbel um Mohammed-Film: Fundamentalismus auf beiden Seiten

Der Mohammed-Film, ein billiges und offensichtlich geschmackloses anti-islamistisches Machwerk mit dem Titel „Innocence of Muslims“ (Die Unschuld der Muslime) hat weltweite Empörung und in muslimisch geprägten Ländern gewaltsame Angriffe auf US-Botschaften und Konsulate ausgelöst.




Der Mohammed-Film, ein billiges und offensichtlich geschmackloses anti-islamistisches Machwerk mit dem Titel „Innocence of Muslims“ (Die Unschuld der Muslime) hat weltweite Empörung und in muslimisch geprägten Ländern gewaltsame Angriffe auf US-Botschaften und Konsulate ausgelöst.
Eine breite Öffentlichkeit kann bisher nur Ausschnitte über Youtube ansehen. Urheber sind christliche Fundamentalisten in den USA. Inzwischen haben Schauspieler und Filmcrew kritisiert, dass die Auftraggeber sie bei der Produktion hinters Licht geführt hätten.

Der Film schlummerte wochenlang ohne große Beachtung im Internetportal Youtube und wurde erst schlagartig bekannt, als der ultrakonservativ-salafistische ägyptische Fernsehsender Al-Nas Anfang September in der Talkshow des muslimisch-fundamentalistischen Hardliners Scheich Chaled Abdallah einige besonders provozierende Szenen aus dem Film ausstrahlte. Nun entwickelte sich die von Fundamentalisten gelenkte Protestwelle in Windeseile.

Teile und Herrsche

Abdallah ist ein Demagoge und versteht sich in der Methode des Teile und Herrsche. Koptische Christen machen in Ägypten einen Anteil an der Bevölkerung von etwa 10 Prozent aus. In der Massenbewegung zum Sturz des Diktators Hosni Mubarak Anfang 2011 standen Kopten und Muslime vereint gegen Mubarak. Abdallah will diese Einheit brechen. Nun sind die Salafisten, die zweitgrößte Parlamentsfraktion, auf den Zug aufgesprungen. Berichte über Ausschreitungen in der islamischen Welt gegen US-Einrichtungen passen wiederum in das westliche Bild von einer durch reaktionäre Islamisten gelenkten islamischen Welt.

Die Stimmung in der arabischen Welt gegen den US-Imperialismus hat durchaus ihren Nährboden. Die USA haben korrupte Regimes unterstützt und tun es noch. So etwa Saudi-Arabien, dessen Armee 2011 in Bahrein einmarschiert ist, um eine Revolution zu unterdrücken. Die USA haben oft islamische Fundamentalisten aufgebaut, wenn es in das Konzept passte.

Solange es in Ägypten und anderswo keine Massenpartei der Arbeiterbewegung gibt, kann der vorhandene Unmut von reaktionären fundamentalistischen Kräften ausgenutzt werden, um damit ihr reaktionäres Süppchen zu kochen. Salafisten und Muslimbrüderschaft in Ägypten wollen die linke und Arbeiterbewegung auseinander dividieren und das Land nach rechts drücken. Muslimische und christliche Fundamentalisten brauchen einander und stützen sich gegenseitig.

Dass am muslimischen Fundamentalismus und der Geistlichkeit nichts Fortschrittliches ist, hat schon Lenin erkannt: „In Bezug auf die zurückgebliebenen Staaten und Nationen, in denen feudale oder patriarchalisch-bäuerliche Verhältnisse überwiegen, muss man insbesondere im Auge behalten ... die Notwendigkeit, die Geistlichkeit und sonstige reaktionäre und mittelalterliche Elemente zu bekämpfen, die in den zurückgebliebenen Ländern Einfluss haben; .... die Notwendigkeit, den Panislamismus und ähnliche Strömungen zu bekämpfen, die die Befreiungsbewegungen gegen den europäischen und amerikanischen Imperialismus mit einer Stärkung der Positionen der Khane, der Gutsbesitzer, der Mullahs usw. verknüpfen wollen.“ (Lenin Werke Band 32, S.137).

Die Auseinandersetzung um den Film dient Fundamentalisten in beiden Religionen und Herrschenden als Ablenkungsmanöver von den sozialen Problemen. Statt Teile und Herrsche brauchen wir eine starke internationale Arbeiterbewegung.1848 schrieben Marx und Engels: „Die Proletarier haben nichts zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“

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