Kategorie: Kultur

Filmkritik: Die Reise des jungen Che - The Motorcycle Diaries

Heute startet "Die Reise des jungen Che - The Motorcycle Diaries" in den österreichischen Kinos. Der Film zeichnet den Weg von Ernesto Guevara zum Revolutionär. Eine Filmkritik.

Immer dazu fähig sein, tief in sich jede Ungerechtigkeit, die gegen irgendjemand irgendwo auf der Welt angewandt wird, zu fühlen. Das ist die edelste Qualität eines Revolutionärs.”

Che Guevara

 


"The Motorcycle Diaries" ist eine spannende Verfilmung von Ernesto Che Guevaras Schrift mit demselben Namen. Das Drehbuch stützt sich jedoch auch auf die Memoiren von Alberto Granado "Auf Reisen mit Che Guevara", in welchen dieser seine Erlebnisse mit Che niederschrieb. Dem Regisseur Walter Salles gelang es dabei ein anschauliches Bild zu zeichnen, wie Ernesto Guevara auf dieser Reise durch Lateinamerika zum Revolutionär wurde.


Der Film beginnt in Buenos Aires im Jahre 1952. Ernesto Guevara de la Serna, ein 23jähriger Medizinstudent, und sein Freund Alberto Granado, ein Biochemiker, lassen ihr beschauliches Mittelklasseleben zurück und machen sich auf eine Reise durch Lateinamerika. Ausgerüstet sind die beiden nur mit einem alten Motorrad (“the Mighty o­ne“). Als die beiden Freunde Buenos Aires verlassen haben sie eine romantische Eroberung dieses riesigen und wunderschönen Kontinents vor Augen. Ihre Methode? Improvisation, sagt Ernesto. Wir sehen zwei junge Männer, denen die Welt vor den Füßen liegt, zwei nette Burschen, die auf Aufriss sind und einen Sinn für Humor haben.

Doch schon bald sollten die beiden Erfahrungen machen, die ihre Lebenseinstellung grundlegend ändern werden. In Chile werden Ernesto und Alberto erstmals mit der bitteren Realität des Alltagslebens konfrontiert. Ihr Motorrad ist kaputt und sie am Boden zerstört. Dies ist aber nichts im Vergleich zu dem Elend, das rund um sie herrscht. Sie setzen ihre Reise nun zu Fuß fort und treffen dabei auf zwei obdachlose Bauern, die ihr Land verloren haben. Dies ist ihre erste Begegnung mit Ungerechtigkeit und Ungleichheit, was ihm Film durch eine düstere Atmosphäre unterstrichen wird. Der Spaß kommt auch weiterhin nicht zu kurz, es wird dem Zuschauer aber klar, dass sich etwas verändert hat – die beiden werden sich in zunehmendem Maße über die Ungerechtigkeiten dieses Systems bewusst.

Nach diesem Wendepunkt macht sich vor allem Ernesto immer stärker Gedanken über die Armut der indigenen Bevölkerung, der Bergarbeiter, der Bauern usw. Ersieht die ruchlosen Bosse, die Arbeiter wie Tiere behandeln. Je weiter sie reisen desto mehr verändert sich das Bewusstsein der beiden.
Den Höhepunkt des Films markiert die Szene, in der Ernesto und Alberto in Peru zu einer Leprastation kommen. Die Patienten werden hier unter menschenunwürdigen Verhältnissen behandelt. Doch Ernesto weigert sich, die von den Nonnen, welche die Station führen, aufgestellten Regeln einzuhalten. Da Lepra keine ansteckende Krankheit ist, will er bei der Behandlung der Patienten auch keine Handschuhe tragen. Kein Wunder, dass sich die beiden Freunde bald schon unter den Leprakranken großer Beliebtheit erfreuen. Hier hält Ernesto dann auch seine erste politische Rede. An seinem Geburtstag spricht er über die Vereinigung aller lateinamerikanischer Staaten und lehnt somit die vom Imperialismus künstlich errichteten Grenzen ab. Symbolhaft durchschwimmt Ernesto in der Folge den Fluss, der die Krankenstation von der normalen Welt trennt. Er wird dabei von einer Menschenmenge begrüßt, genauso wie er Jahre später als der große Revolutionär Che von den kubanischen Massen begrüßt werden wird.

"The Motorcycle Diaries" handelt aber nicht von dem späteren revolutionären Kämpfer Che Guevara. Der Zuseher wird nicht mit der Hagiographie einer Person konfrontiert, die so oft zum Mythos verklärt wird. In erster Linie erzählt der Film die Entwicklung des Menschen Ernesto Guevara de la Serna. Den Che, den wir hier sehen, ist ein ehrlicher, einfacher Mann (und ein schlechter Tänzer), der unter schweren Asthmaanfällen leidet. Er ist aber auch eine mitfühlende Person, die sich um seine Mitmenschen kümmert, und sich mit allen Formen von Ungerechtigkeit nicht abfinden kann und will. Der Film zeichnet sich durch künstlerische Qualitäten aus, die über die sonst bekannten biographischen Abhandlungen des Che weit hinausgehen.

"The Motorcycle Diaries" ist in erster Linie ein kurzweiliger Film, der aber auch vor allgemeinpolitischen Themen nicht halt macht. Er zeigt, dass es angesichts der herrschenden Verhältnisse unser Auftrag sein muss, Widerstand zu leisten!



Maarten Vanheuverswyn

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