Kategorie: Kultur

Filmkritik: Kapitalismus - Eine Liebesgeschichte

In seiner neuen Filmdokumentation erläutert Michael Moore, warum der Kapitalismus eine Bestie ist. Die neue Kino-Dokumentation von Michael Moore kommt ein Jahr nach dem Kollaps der US-Bank Lehman Brothers, der auf die internationale Wirtschaftskrise wie ein Katalysator wirkte, auf den Markt. Die Wirtschaft der mächtigsten Nation der Welt ist weiterhin hart gebeutelt: Die Arbeitslosenzahl hat die 10-Prozent-Marke erreicht, zudem sind immer mehr US-AmerikanerInnen dazu gezwungen, unfreiwillig Halbzeit-Jobs anzunehmen, weil sie keine Vollzeitbeschäftigung mehr finden können.




45,7 Millionen US-AmerikanerInnen leben in absoluter Armut – rund 15,3 Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig gehen die goldenen Jahre für einige aber weiter – etwa für die Manager bei Goldman Sachs, die erst kürzlich 11,3 Milliarden Dollar an Boni ausbezahlt bekamen.

Vor diesem Hintergrund hat Michael Moore seinen bisher politischsten Film gedreht. Alleine, dass ein derart weit verbreiteter Streifen das System beim Namen nennt, ist schon ein großer Fortschritt. Aber Moore geht sogar noch weiter. Er zeigt den Kapitalismus schonungslos als das was er ist: Ein System, dessen Reichtum von einigen wenigen auf der Ausbeutung des Großteils der Bevölkerung basiert. Am Ende des Films steht der Kapitalismus auch ziemlich schlecht da. Jeder Zuschauer wird sich wohl fragen, warum es im reichsten Land der Erde nicht möglich ist, jedem einen Job, Gesundheitsversorgung, eine Wohnung und Bildung zu sichern. Moore verbindet sehr geschickt Humor mit tragischen Einzelschicksalen, Ironie und guter Musik, um schließlich zu dem Ergebnis zu kommen: Der Kapitalismus an sich ist das Problem.

Kürzlich meinte der US-Filmemacher in einem Interview: „Seit dem Zusammenbruch der Wall Street ist nun ein Jahr vergangen, aber ich habe bisher noch keine einzige Talkshow oder einen Kommentar in der New York Times gesehen, wo jemand die Meinung vertritt, dass der Kapitalismus selbst das Problem ist. Wir leben in einem System, das nicht funktioniert. Es ist nicht fair, nicht demokratisch, nicht gerecht und deshalb muss es weg. Ich weiß, dass ich nicht der Einzige bin, der so denkt. Aber warum konnte ich diese Meinung noch nirgends hören oder lesen? Warum wird diese Debatte einfach so ausgeklammert? Kapitalismus ist eine Bestie. Er bekommt nie genug. Er wird immer danach streben, mehr Geld anzuhäufen. Es wird selbst mit noch so vielen Sicherheitsseilen nie zu bändigen sein. Er wird immer durchbrechen.“

Dies zeigt, dass Michael Moore sich in den letzten Jahren deutlich radikalisiert hat. Er versteht mittlerweile, dass der Kapitalismus nicht reformiert werden kann, sondern dass man das System austauschen muss. Ein Interviewpartner im Film bringt dies so auf den Punkt: „Kapitalismus ist das personifizierte Böse. Und das Böse kann man nicht regulieren, man muss es eliminieren.“ Hier beginnt dann aber die große Schwäche des Films. Denn Moore weiß zwar, was er NICHT will, aber tut sich schwer damit, zu zeigen, was er stattdessen will. Hier fällt ihm nicht recht viel mehr als der Begriff „Demokratie“ ein, der aber über den ganzen Film völlig diffus bleibt. Damit gibt der Streifen leider keine konkrete Antwort auf das Übel des derzeitigen Systems, die unserer Meinung nach nur Sozialismus lauten kann.

Allerdings kann diese Dokumentation sehr wohl dazu beitragen, dass Menschen den Wahnsinn des Systems erkennen, sich organisieren und selbst nach Lösungsansätzen suchen.

Der Film läuft ab dem 12. November in den deutschen Kinos und sei allen LeserInnen empfohlen.

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