Kategorie: Theorie

200 Jahre Marx

Karl Marx ist tot und auf dem Londoner Highgate-Friedhof begraben. Aber seine revolutionären Ideen sind noch sehr lebendig und finden sowohl in der Arbeiterbewegung als auch unter der Jugend an Schulen und Hochschulen ein Echo.


„Marx hatte in einigen Bereichen durchaus recht“, sagte der Münchner Kardinal Reinhard Marx – welche Ironie – und ist sich sicher, „dass wir eine Renaissance des Marxismus erleben werden.“

Es wird wohl nur selten vorkommen, dass in einer marxistischen Zeitung die Worte eines hochrangigen Vertreters der römisch-katholischen Kirche zitiert werden, doch auch diese Leute sagen manchmal was durchaus Richtiges.

Uns wird erzählt, dass der Kapitalismus uns eine Zukunft des Wohlstands und des sozialen Wohlbefindens bieten würde, doch viele Menschen und insbesondere die Jugend lässt sich von solchen Phrasen nicht täuschen. Der Kapitalismus hat uns in die schlimmste Krise seit der Großen Depression der 1930er Jahre gestoßen. Massenarbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung stehen wieder auf der Tagesordnung. Armut, Ignoranz, Kriege und Epidemien betreffen zwei Drittel der Menschheit. Nicht nur das, die gesamte Existenz der Menschheit ist durch den Raubbau des Planeten im Namen des Profits bedroht.

In den 1990er Jahren war es leicht, den Marxismus zu verwerfen. Der Fall der Berliner Mauer wurde gleichbedeutend für den Fall des Marxismus selbst angesehen. Aber heute gibt es eine Wiederbelebung des Marxismus. Die marxistische Wirtschaftstheorie erweist sich auf Schritt und Tritt als korrekt und die revolutionäre Politik gewinnt zunehmend an Beliebtheit.

„Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden.“ - Karl Marx, Der 18. Brumaire des Louise Bonaparte

Das ist kein Zufall. Die Ideen von Karl Marx bieten die schärfsten Instrumente, den Kapitalismus zu analysieren und zu kritisieren. Tatsächlich ist seine Kritik an der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts noch immer von äußerster Relevanz in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. In seinen Grundlagen entspricht das kapitalistische System aus den Tagen von Karl Marx dem kapitalistischen System unserer Zeit, wenn auch in einer fortgeschrittenen Form.

Der Ausgangspunkt der Marx'schen Analyse ist eine bestimmte philosophische Weltsicht, die er als Materialismus – oder genauer, als Dialektischen Materialismus bezeichnete. Diese Ansicht unterstellt, dass die materielle Realität die einzige Realität ist und dass unsere Ideen, obwohl sie bedeutenden Einfluss auf unser Leben und Tun haben, letztlich von unseren Erfahrungen in der materiellen Welt bestimmt sind. Wendet man dies auf die Gesellschaft an, so kommt man zu dem Schluss, dass wir die Gesellschaft nicht einfach nach unseren Idealen formen können. Die ökonomischen und materiellen Gegebenheiten formen Interessen, Prioritäten, Weltanschauungen und Verhalten und nicht umgekehrt. Deshalb müssen wir, um die Gesellschaft zu verändern, uns auf ein umfassendes Wissen dieser materiellen Bedingungen und der Einschränkungen die sie uns aufbürden, stützen.

„Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.“ - Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie

Wenn wir Schule, Studium oder Ausbildung beenden, ist die erste Frage, die sich uns stellt: „Wem werden wir unsere Arbeitskraft verkaufen?“ Marx macht deutlich: jemand anderes wird sich an einem Teil unserer Arbeit bereichern. Die marxistische Wirtschaftstheorie macht uns verständlich, wie die Kapitalistenklasse auch heute noch von der Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter profitiert.

Es ist nicht schwer zu sehen, wie Fabrikarbeiterinnen und Fabrikarbeiter in unterentwickelten Ländern von der kapitalistischen Klasse ausgebeutet werden. Mit der marxistischen Wirtschaftstheorie können wir verstehen, wie diese Ausbeutung für die Arbeiterklasse auf der ganzen Welt dieselbe ist, mit lediglich graduellem Unterschied. Marx' größter Beitrag war seine Verurteilung der Ausbeutung im Kapitalismus, nicht nur in moralischer, sondern und gerade in wissenschaftlicher Hinsicht. Und diese Verurteilung ist heute genauso relevant wie zu der Zeit, als er diese schrieb.

Außerdem ist die Marx'sche Kritik, dass im Kapitalismus alles zur Ware wird, noch heute anwendbar. Das unerbittliche Streben nach Profit, das den Kapitalismus charakterisiert, führt dazu, dass alles und jedes, was Ware werden und für Profit verkauft werden kann, dies auch wird. Das gilt sogar für die Gesundheitsversorgung und Bildung, und eines der schrecklichsten Beispiele dafür sind Kinder, die zur Adoption über das Internet verkauft werden. Das ist die vom Kapitalismus geschaffene Barbarei.

Der von Marx vorhergesagte und im Detail von Lenin analysierte Imperialismus strebt nach wie vor danach, in vielen Ländern Gewinne zu sichern und Millionen von Menschen auf der ganzen Welt zu unterdrücken und zu dominieren. Außerdem ist die Wirtschaftskrise von 2008 eine Überproduktionskrise – ein unausweichliches Produkt der Widersprüche des Kapitalismus, wie sie von Marx herausgearbeitet wurden.

Der Klassenkampf ist noch heute lebendig, wie er es im 19. Jahrhundert war. In seiner Broschüre „Lohnarbeit und Kapital“ erklärt Marx die dialektische und gegenseitige Abhängigkeit von Lohnarbeit und Kapital, und wie das eine das andere aufrechterhält. Ohne Kapital können Lohnabhängige nicht überleben, da sie keine Löhne erhalten – und ohne Lohnarbeit kann sich das Kapital nicht selbst reproduzieren und können Gewinne nicht erzielt werden. Deshalb erklärt Marx im Kommunistischen Manifest, dass die kapitalistische Klasse ihren eigenen Totengräber schafft – die Arbeiterklasse.

Er schreibt, dass sich die kapitalistische Gesellschaft aus der Entwicklung der Produktivkräfte unter dem Feudalismus herausgebildet hat. Seine Theorie des Historischen Materialismus zeigt uns die massiven Einflüsse der wirtschaftlichen Kräfte in der historischen Entwicklung. Tatsache ist und Marx legt dies dar, dass wir zur Lösung der heutigen Widersprüche und Probleme unserer Gesellschaft eine umfassende Veränderung des gesamten Systems brauchen.

„Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt. Die Bedingungen dieser Bewegung ergeben sich aus der jetzt bestehenden Voraussetzung“ - Karl Marx und Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie

Aber sein historischer Materialismus zeigt auch, dass wirtschaftliche Kräfte allein nicht ausreichen, um die Gesellschaft zu verändern. Marx sagt, dass „die Revolutionen die Lokomotiven der Geschichte“ sind – eine Wirtschaftskrise allein wird nicht ausreichen, um dem Kapitalismus ein Ende zu setzen. Wir müssen uns nach wie vor organisieren, um gegen die kapitalistische Klasse zu kämpfen und den Kapitalismus zu stürzen.

Sein Werk steht für historischen Weitblick. Der Kapitalismus hat nicht immer existiert. Wie diesem vorangehende Systeme, hat es bereits die Samen des eigenen Untergangs gesät. Wenn wir uns organisieren, um es zu stürzen, kann der Klassenkampf den Kapitalismus auf den Müllhaufen der Geschichte werfen und wir können die Gesellschaft erneut voranbringen.

Der Sozialismus ist der nächste Schritt vorwärts, und der Kommunismus wird das Ende der Vorgeschichte der Menschheit sein und der Beginn einer neuen Geschichte für die Menschheit.

Als Marxisten verstehen wir, dass Probleme wie Armut, Arbeitslosigkeit, Krisen und Krieg unvermeidliche Folgen des Kapitalismus sind. Sie sind Ausdruck des Gegensatzes von Privateigentum und ausgebeuteter Arbeit. Nur die Reichen zu besteuern oder Geld zu leihen wird diese Tatsache nicht ändern. Die wirkliche Lösung ist eine radikale Veränderung der sozialen Ordnung, d.h. eine „kommunistische Revolution“, wie Marx am Ende des Kommunistischen Manifests formuliert.

Wir müssen das Privateigentum an Banken, Versorgungsunternehmen und Großkonzernen abschaffen, die fast jeden Aspekt unseres Lebens kontrollieren. Wir müssen die Kontrolle über die Wirtschaft übernehmen und sie demokratisch planen, um dadurch alle Grundbedürfnisse zu erfüllen. Nur eine sozialistische Revolution kann die Befreiung der Menschheit bringen.

Der gegenwärtige Zustand des Kapitalismus – die Instabilität und die Wirtschaftskrise, die über den Erdball hinwegfegt – macht es unmöglich, der Analyse von Karl Marx zu widersprechen. Für die Liberalen ist dies die Ursache für Pessimismus und Demoralisierung, da ihnen das eigene System um die Ohren fliegt. Aber für revolutionäre Marxisten ist die sich vor uns eröffnende historische Periode eine Bestätigung von allem, was Marx vorhergesagt hat. 200 Jahre nach der Geburt von Marx steht der Sozialismus für uns fest auf der Tagesordnung und wir kämpfen mit allem, was wir haben, um diesen Wirklichkeit werden zu lassen.

„Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, dass ihre
Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.
Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ - Karl Marx und Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei

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