Kategorie: Asien

Das falsche Spiel des Imperialismus in Syrisch-Kurdistan

Das ezidische Nachrichtenportal Êzîdî Press meldete am Montag, den 20.10.2014 auf ihrer Website eine Großoffensive des IS im kurdischen Shingal. Hunderte WiderstandskämpferInnen der Volksverteidigungseinheiten (YPG) sind von den faschistischen Djihadisten eingekesselt, die Zivilbevölkerung ist ins nahegelegene Gebirge geflohen. Ein weiterer Genozid in der Geschichte der KurdInnen steht bevor.


 

Inzwischen wurden die bei Kobanê kämpfenden IS-Faschisten von den dortigen YPG/YPJ-Einheiten mit relativem Erfolg vorerst zurückgeschlagen. Die Gefahr ist allerdings keineswegs gebannt. Das Prestige - der IS könne seine schwarze Todesflagge über Kobanê hissen, seine Überlegenheit präsentieren und die damit verbundene psychologische Massenwirkung entfalten - wurde jedoch empfindlich geschmälert. Der IS kann sich somit nicht mehr als unbesiegbare Armee inszenieren. Die kurdischen FreiheitskämpferInnen stehen allerdings auch in dem Ruf, ohne die Luftangriffe des US-Imperialismus gegen die IS-Stellungen auf verlorenem Posten zu stehen. Das Prestige soll also zugunsten der USA ausfallen, damit sie ihren Einfluss in der Region weiter ausbauen können.

 

Gleichzeitig sind tiefe Risse innerhalb des NATO-Bündnisses erkennbar, welche vorrangig durch die unterschiedlichen nationalen Interessen der Mitgliedsstaaten begünstigt werden dürfte. Vorallem zwischen der Türkei und den USA treten starke Differenzen in Bezug auf den Konflikt im Nahen & Mittleren Osten zutage. Während der türkische Staat, entgegen seiner Heuchelei, den Fall Kobanês wünscht um letztlich die demokratische Autonomie Rojava zu stürzen, verhindert der US-Imperialismus bisher die Einnahme der Stadt durch die IS-Djihadisten. Hätte Kobanê nach Willen des Westens wirklich fallen sollen, so wäre dies unlängst geschehen.

 

Die Herrschenden der USA werden die aktuellen Entwicklungen in Kobanê als ihren Erfolg vermarkten, der ihre Luftangriffe legitimieren und als politisch richtige Methode darstellen soll.

 

Die internationalen Proteste gegen das Drama in Kobanê waren jedoch so unmissverständlich, sodass Kobanê (inkl. ihrer VerteidigerInnen) nun langsam aus der medialen Präsenz genommen wird. Ganz zufälliger Weise geht der "Islamische Staat" exakt genauso vor: Um seine Niederlage bei Kobanê zu verschleiern, sucht er sich ein wehrloseres Opfer: Shingal. Auffällig ist, dass das Drama in Shingal ebenfalls seit Wochen anhält, es seitens der bürgerlichen Medien allerdings keinerlei Berichterstattungen mehr gab.

 

Für den IS soll damit der Geist der Unbesiegbarkeit wieder hergestellt werden. Für den US-Imperialismus hingegen soll die Einmischung durch Luftschläge weiter ausgebreitet werden, getreu dem Motto: "Die Welt sieht, wir tun gutes. Was in Kobanê wirkungsvoll ist, wird auch in Shingal Wirkung zeigen: bombardieren wir sie!"

 

Der türkische Staat, die USA und der Islamische Staat verfolgen allesamt das gleiche Ziel, welches sie allerdings mit unterschiedlichen Methoden und einer unterschiedlichen Strategie verfolgen: Die Zerstörung der demokratischen Autonomie Rojavas.

 

Außenpolitisch mischt sich die Türkei noch nicht in den Konflikt ein, sondern unterstützt inoffiziell die IS-Djihadisten. Diese wiederum wollen das kurdische Volk physisch komplett auslöschen, was mit der Zerstörung Rojavas gleichzusetzen ist. Die USA hingegen wollen die KurdInnen zwar nicht physisch, aber ideologisch eliminieren. Durch das vermeintliche "Hand in Hand gegen den IS" - die inzwischen direkte Unterstützung der YPG durch die USA in Form von  Waffenabwürfen über Kobanê soll den antiimperialistischen Charakter der YPG aufweichen - soll die Tagespolitik der USA in der Region dauerhaft etabliert werden, um einen feudal-autoritären Staat, der Barzanis gleichen sucht, für die Interessen der Supermacht zu installieren.

 

Wir sind davon überzeugt, dass die kurdischen Volksverteidigungseinheiten für einen erfolgreichen Kampf gegen den IS-Faschismus & für ihr eigenes Überleben auf Waffenlieferungen angewiesen sind. Daher sind Waffenabwürfe über Kobanê zu begrüßen. Das darf aber unter keinen Umständen dazu führen, im US-Imperialismus einen politischen Bündnispartner gegen den IS zu sehen. Der kurdische Freiheitskampf muss von den kurdischen Einheiten selbst geführt werden, um über die Zukunft Kurdistans selbst entscheiden zu können. Denn die einzigen, die die Interessen des kurdischen Volkes vertreten können, sind: die KurdInnen selbst.

 

Wir wissen aber auch, dass Waffenlieferungen den demokratischen Aufbruch in Syrisch-Kurdistan nicht sicherstellen können. Um der militärischen & personellen Übermacht des Islamischen Staats dauerhaft entgegentreten zu können & den demokratischen Aufbruch in Syrisch-Kurdistan zu sichern, müssen die Versorgungskanäle des Islamischen Staats durchtrennt werden. Die internationale Linke muss den demokratischen Prozess in Rojava sowie seine politischen Akteure - PKK, PYD inkl. YPG/YPJ usw. - kritisch-solidarisch begleiten.

 

 

Darum fordern wir:

Unterstützung der YPG und YPJ gegen die djihadistische Konterrevolution!

Anerkennung der demokratischen Autonomie Rojava!

Streichung der PKK aus den Terrorlisten der EU und der USA!

Hände weg von Syrien und Irak! Nein zu militärischer Einmischung von Außen!

Kampf dem Imperialismus!

Für eine sozialistische Föderation des Nahen & Mittleren Ostens!

 

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