Kategorie: Geschichte

100 Jahre Kapp-Putsch: Sieg und Niederlage für die Arbeiterklasse

Vor 100 Jahren versuchten reaktionäre Putschisten in Deutschland aus Teilen der Armee und der berüchtigten Freikorps, die sozialdemokratisch geführte Regierung zu stürzen. Sie wollten eine Militärdiktatur unter Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp errichten.


Sofort reagierte damals die Arbeiterklasse und setzte mittels eines Generalstreiks dem Spuk einer drohenden reaktionären Diktatur ein schnelles Ende. Nichts lief mehr, es gab keinen Strom, keinen öffentlichen Verkehr, keinerlei Warenproduktion. Die Arbeiterklasse demonstrierte ihre Macht. Für heute hat uns das viel zu sagen. Denn Geschichte ist nicht einfach Geschichte, sondern geronnene Erfahrung aus der man klug werden sollte. Die von zunächst weggeputschte Regierung konnte sich 1920 auf weite Teile des Staatsapparates nicht verlassen. Dem hilflosen Wehrminister Gustav Noske (SPD) machte der Oberkommandierende der Streitkräfte, Hans von Seeckt, klar: „Truppe schießt nicht auf Truppe“. Dadurch bekamen andere Teile des bürgerlichen Staatsapparates (nach Engels eine besondere Formation bewaffneter Menschen), insbesondere die Marinebrigade Ehrhardt und der General Lüttwitz, Narrenfreiheit für ihr reaktionäres Putschabenteuer. Allerdings stand damals nur das ostelbische Junkertum geschlossen hinter dem Putschisten. Die Mehrheit der Kapitalistenklasse wartete ab. In dem Spielfilm „General Ludendorff und die Konterrevolution – Der Kapp-Lüttwitz-Putsch (1920)“ kommt dies deutlich zum Ausdruck.

Beendet wurde der Putsch durch die geschlossene Generalstreikaktion der deutschen Arbeiterklasse. Allerdings nahm die bürgerliche Reaktion hinterher speziell an den sich bewaffneten Arbeitern im Ruhrgebiet blutige Rache. Der Reichs- und Staatskommissar Carl Severing (SPD) vereinbarte mit dem Militär und mit zivilen Kräften das „Bielefelder Abkommen“, welches es der Reichswehr ermöglichte, grausame Rache speziell an den Arbeitern im Ruhrgebiet und ihrer spontan entstandenen Roten Ruhrarmee zu nehmen.

Welche Lehren sollten wir aus dem hundertjährigen Jubiläum ziehen?

Es sollte nie vergessen werden, welche Macht die geschlossene Aktion der Arbeiterklasse in Form eines Generalstreiks ausüben kann. Die momentane Situation der Weltwirtschaft, in der die G20-Staaten im letzten Quartal 2019 nur noch ein Wachstum von 0,9 % verzeichneten, deutet auf das Hereinbrechen einer kapitalistischen Weltwirtschaftskrise hin. Die Pandemie des Coronavirus ist nur der letzte Auslöser für verschärfte Angriffe auf die verbliebenen sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse. So erklärte der CSU-Vorsitzende Markus Söder im ZDF-Interview, dass man der Industrie und den Banken wegen der Corona-Krise mit Milliardenbeträgen großzügig unter die Arme greifen werde. In der Tat verschärft die Pandemie die bereits vorhandenen Gegensätze zwischen den imperialistischen Staaten und macht es noch schwieriger, die bereits auf Halde produzierten Waren abzusetzen. Die Zeche für die kapitalistische Überproduktionskrise verbunden mit der Corona Krise sollen die einfachen Menschen, die Armen und die Arbeiterklasse bezahlen.

Wie Anfang der Zwanzigerjahre nehmen Morde an bürgerlichen Politikern wie dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) zu. Anfang der 1920er Jahre standen selbst bürgerliche Politiker wie Matthias Erzberger und Walther Rathenau im Fadenkreuz rechter Mörder. In der Manier der Freikorps von einst bereiten sich heute zunehmend paramilitärische Gruppen wie die kürzlich aufgeflogene Gruppe Nordkreuz oder Combat 18 systematisch auf den Bürgerkrieg und damit eine Liquidierung von Politikern und Oppositionellen vor. Die Krise des bürgerlichen Parteiensystems findet unter anderem seinen Ausdruck in der stärker werdenden AfD und ihrem offen faschistischen Flügels unter Björn Höcke. Allerdings können weite Teile der deutschen Industrie mit ihrer Exportorientierung noch nichts mit der AfD anfangen. Zwar begrüßen auch diese Teile des Finanzkapitals diese Reserve des Bürgerblocks, um die Errungenschaften der Arbeiterklasse zu liquidieren. Thüringen war sozusagen ein Probelauf, inwieweit es schon möglich ist, rechte bis offen faschistische Gruppierungen in den Mechanismus der bürgerlichen Herrschaft einzubauen. Dieser Versuch ist vorläufig gescheitert, aber er ist nicht im Geringsten vom Tisch. Innerhalb der CDU macht die sogenannte „WerteUnion“ von sich reden. Der ehemalige Verfassungsschutzpräsident Maaßen spielt eine zentrale Rolle in dem Versuch, die Union nach rechts zu verschieben. Es mehren sich die Stimmen aus dem konservativen Lager, die mit der AfD kooperieren wollen. Ex-Bundespräsident Joachim Gauck wirbt derzeit für „Toleranz“ im Umgang mit der AfD. Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, steht für radikalsten Sozialkahlschlag. Auch die Hetze gegen Migranten ist im konservativen Lager absolut salonfähig. Im angeschlagenen bürgerlichen Parteiensystem findet also eine Rechtsverschiebung statt. Dies ist Teil einer gesellschaftlichen Polarisierung

Das alles hat Parallelen zu Entwicklungen in der Weimarer Republik bzw. der Situation unmittelbar vor dem Putsch im März 1920. Die Lehren aus dem Kapp-Putsch für heute müssen unter anderem darin bestehen, keinerlei Vertrauen in den bürgerlichen Staatsapparat zu hegen. Immer wieder fliegen Verbindungen von Teilen des Verfassungsschutzes, der Landeskriminalämter und der Bundeswehr zu rechten illegalen Gruppen auf. Diese Realität kann nicht durch parlamentarisches Geschwurbel überwunden werden.

Die Partei DIE LINKE muss auf die Mobilisierung der Arbeiterklasse und der Jugend außerhalb des Parlamentes setzen. Die Frage eines Generalstreiks gehört auf die politische Agenda jeder gewerkschaftlichen Gliederung. Dabei sollte nicht abgewartet werden, bis größere Teile des Bürgertums auf eine autoritäre bonapartistische Diktatur setzen. Die sogenannte Krise des bürgerlichen Parteiensystems, die Krise der Volksparteien hat ihren Ursprung in der Krise des Kapitalismus. Der Zustand etwa des Gesundheitssystems besonders jetzt sichtbar in der Corona-Pandemie. Der Berg von nicht mehr abzusetzenden Waren kann diese Entwicklung nur verschärfen.

Übrigens war der Naziführer und spätere Diktatur Adolf Hitler 1920 noch einfluss- und bedeutungslos. Der Film zeigt, wie er dem Hauptmann Pabst in Berlin als Redner für die Putschisten anbot und damals noch auf Ablehnung stieß. Doch später hatten gesellschaftliche Entwicklungen ihre eigene Dynamik.

Isolierte Putschisten ohne organisierte Massenbasis – das belegt der Kapp-Putsch von 1920 – können durch die einheitliche und entschlossene Aktion der Arbeiterklasse relativ flott besiegt werden. Schwieriger wird es, wenn sich weite Teile des Staatapparats mit einer faschistischen Massenbewegung verbinden. Gegenwärtig besteht keine solche Massenbewegung mit paramilitärischen Schlägertrupps und daher auch keine unmittelbare Gefahr einer faschistischen Machtübernahme. Aber der Angriff auf die Errungenschaften und Rechte der Arbeiterklasse nimmt beständig zu.

Revolutionäre und die Partei DIE LINKE müssen sich auf massive Kämpfe einstellen. Kämpfe gegen den gezielten Versuch der Bourgeoisie, die Kosten der Krise nach unten abzuwälzen. Die Bourgeoisie bereitet sich auf einen Generalangriff gegen die Arbeiterklasse vor.

Im politischen und ideologischen Bereich besteht das Risiko, dass Sozialdemokraten wie Bodo Ramelow im Namen des „Antifaschismus“ selbst Kooperationen mit der CDU eingehen. Im Namen des sogenannten Antifaschismus wurde in Sachsen-Anhalt die Schuldenbremse des Herrn Schäuble in die Landesverfassung, mit Unterstützung der Linken aufgenommen. Doch der angebliche antifaschistische Bündnispartner in Form des Bürgerblocks hat in Thüringen offenkundig nicht davor zurückgeschreckt, mit offenen Faschisten abzustimmen. Dieser Versuchsballon scheiterte aufgrund des massiven Widerstandes in der Bevölkerung.

Wir brauchen aber keine Wiederholung der Zusammenarbeit der Sozialdemokratie von 1920 mit der bürgerlichen Kräften zur Niederhaltung der Arbeiterklasse. Damals führte dies, nachdem der Generalstreik den Kapp-Putsch besiegte, zur Niederschlagung weitergehender Bewegungen der Arbeiterklasse speziell im Ruhrgebiet. 1920 endete dies in einem Blutbad an den Arbeitern in den damaligen industriellen Zentren Deutschlands. Die Zusammenarbeit mit dem Bürgerblock führte zur Katastrophe. Es bleibt festzuhalten: An der Bahre von Liebknecht und Luxemburg stand die Wiege Adolf Hitlers.

Geschichte ist dazu da, um aus ihr zu lernen. Deshalb keine Zusammenarbeit mit dem Bürgerblock, kein Vertrauen in den bürgerlichen Staat! Stattdessen ständige Orientierung auf die Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt. Das Gegenteil davon betrieb Gregor Gysi am vergangenen Aschermittwoch in Passau. Er meinte, auch die CDU werde sich „genauso wie Rudolf Scharping auf die Dauer nicht an einen Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Linken halten können“. Das ist die Politik von Ebert, Scheidemann, und Hilferding. Aus der Geschichte nichts gelernt.

Deshalb empfehle ich den Artikel von Hans Gerd Öfinger ebenso aber auch den genannten Spielfilm, welcher natürlich nicht alles zeigen kann und Lücken hat. Der Film über den Kapp Putsch ist auf YouTube frei verfügbar.

Links:

Artikel: Kapp-Putsch 1920 - Generalstreik gegen Militärputsch mündet in bewaffneten Arbeiteraufstand

Spielfilm: General Ludendorff und die Konterrevolution – Der Kapp-Lüttwitz-Putsch (1920)

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