Kategorie: Amerika

Trumps Berater verleumden den Sozialismus - Eine Antwort auf die Lügen des Weißen Hauses - Teil 2

Im zweiten Teil seiner Antwort auf die Verleumdungen des Weißen Hauses gegen den Sozialismus spricht Alan Woods über die Realität des Lebens US-amerikanischer ArbeiterInnen im Kapitalismus.


Seit 2008 haben sie erfahren, wie die Ungleichheit zugenommen hat, sie haben lange Arbeitszeiten in mehreren Jobs gleichzeitig ausgehalten und sind mit Kürzungen bei den grundlegenden staatlichen Dienstleistungen konfrontiert worden - während die parasitären Banker staatliche Beihilfen erhalten. Der "amerikanische Traum" ist tot - und der Sozialismus erreicht ein größeres Publikum.

Die Bedeutung der kapitalistischen Ausbeutung

Karl Marx hat vor langer Zeit erklärt, dass die Gewinne der Kapitalisten in Wirklichkeit die unbezahlte Arbeit der ArbeiterInnen sind. Das Verhältnis zwischen Lohnarbeit und Kapital ist daher an sich antagonistisch. Dies gilt auch in guten Zeiten, wenn die Löhne steigen, wie Marx betont:

„Wir sehen also, daß selbst, wenn wir innerhalb des Verhältnisses von Kapital und Lohnarbeit stehnbleiben, die Interessen des Kapitals und die Interessen der Lohnarbeit sich schnurstracks gegenüberstehn.

Eine rasche Zunahme des Kapitals ist gleich einer raschen Zunahme des Profits. Der Profit kann nur rasch zunehmen, wenn der Preis der Arbeit, wenn der relative Arbeitslohn ebenso rasch abnimmt. Der relative Arbeitslohn kann fallen, obgleich der reelle Arbeitslohn gleichzeitig mit dem nominellen Arbeitslohn, mit dem Geldwert der Arbeit steigt, aber nur nicht in demselben Verhältnis steigt wie der Profit. Steigt z.B. in guten Geschäftszeiten der Arbeitslohn um 5 Prozent, der Profit dagegen um 30 Prozent, so hat der verhältnismäßige, der relative Arbeitslohn nicht zugenommen, sondern abgenommen.

Vermehrt sich also die Einnahme des Arbeiters mit dem raschen Wachstum des Kapitals, so vermehrt sich gleichzeitig die gesellschaftliche Kluft, die den Arbeiter vom Kapitalisten scheidet, so vermehrt sich gleichzeitig die Macht des Kapitals über die Arbeit, die Abhängigkeit der Arbeit vom Kapital.

Der Arbeiter hat ein Interesse am raschen Wachstum des Kapitals, heißt nur: Je rascher der Arbeiter den fremden Reichtum vermehrt, desto fettere Brocken fallen für ihn ab, um desto mehr Arbeiter können beschäftigt und ins Leben gerufen, desto mehr kann die Masse der vom Kapital abhängigen Sklaven vermehrt werden.

Wir haben also gesehen:
Selbst die günstigste Situation für die Arbeiterklasse, möglichst rasches Wachstum des Kapitals, sosehr sie das materielle Leben des Arbeiters verbessern mag, hebt den Gegensatz zwischen seinen Interessen und den Bourgeoisinteressen, den Interessen des Kapitalisten, nicht auf. Profit und Arbeitslohn stehen nach wie vor im umgekehrten Verhältnis.

Ist das Kapital rasch anwachsend, so mag der Arbeitslohn steigen; unverhältnismäßig schneller steigt der Profit des Kapitals. Die materielle Lage des Arbeiters hat sich verbessert, aber auf Kosten seiner gesellschaftlichen Lage. Die gesellschaftliche Kluft, welche ihn vom Kapitalisten trennt, hat sich erweitert." (Karl Marx, Lohnarbeit und Kapital, MEW Bd. 6, S. 415f, Dietz Verlag, Berlin/DDR, 1959)

Dies ist sicherlich in den USA der Fall, wo die Gewinne boomten, während die Löhne weitgehend stagnierten und der Anteil der Löhne der Arbeitnehmer an dem von ihnen geschaffenen Reichtum deutlich gesunken ist. In einem Bericht des Economic Policy Institute (August 2018) heißt es dazu:

"Von 1973 bis 2017 stieg die Nettoproduktivität um 77,0%, während der Stundenlohn der typischen Arbeiter im Wesentlichen stagnierte -und über 44 Jahre hinweg nur um 12,4% (inflationsbereinigt) stieg. Das bedeutet, dass die Amerikaner zwar produktiver denn je arbeiten, die Früchte ihrer Arbeit aber vor allem denen an der Spitze und den Unternehmensprofiten zugutekommen, das gilt besonders in den letzten Jahren.“

Die Reichen sind nach der Finanzkrise 2008 immer reicher geworden. Im Jahr 2012 nahmen die obersten 10 Prozent der Einkommensbezieher 50 Prozent des gesamten Einkommens mit nach Hause. Das ist der höchste Prozentsatz der letzten 100 Jahre. Bis 2015 lagen die obersten 10 Prozent Amerikas bereits mehr als neunmal so hoch wie die unteren 90 Prozent. Und das oberste ein Prozent der Amerikaner verzeichnete durchschnittlich mehr als das 40-fache des Einkommens als das unterste 90 Prozent.

Da die Reichen schneller reicher wurden, wurde ihr Anteil am Kuchen größer. Die wohlhabendsten 1 Prozent steigerten ihren Anteil am Gesamteinkommen um 10 Prozent. Alle anderen sahen, wie ihr Stück vom Kuchen um 1-2 Prozent schrumpfte. Auch wenn sich die Einkommen der Armen in absoluten Zahlen verbesserten, fielen sie im Vergleich zu den Reichsten weiter zurück. Infolgedessen nimmt die Ungleichheit ständig zu.

Obszöne Gewinne werden von den großen Kapitalisten erzielt. Der Vorstandsvorsitzende von Marathon Petroleum verdiente 19,7 Millionen Dollar, 935 Mal mehr als einer der durchschnittlichen ArbeiterInnen des Unternehmens (21.034 Dollar). Der Vorstandsvorsitzende von Whirlpool verdiente 7,1 Millionen Dollar, das 356-fache eines durchschnittlichen Mitarbeitergehalts von 19.906 Dollar. Honeywells durchschnittlicher Arbeiterlohn beträgt 50.000 Dollar. Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens verdiente 16,8 Millionen Dollar oder 333 Mal mehr.

Dieser Trend beschränkt sich nicht nur auf die USA. Tatsächlich gibt es weltweit einen Trend zur Zunahme der Einkommensungleichheit in Entwicklungs- und Industrieländern. Erstens stagnieren die Reallöhne für die Mehrheit der Bevölkerung, obwohl die Produktivität aufgrund arbeitnehmerfeindlicher Maßnahmen, die die Tarifverhandlungen untergraben, steigt. Zweitens hat es eine zunehmende Anhäufung von Vermögen an der Spitze durch sinkende Steuern für Unternehmen und Menschen mit hohem Einkommen gegeben.

David Autor, ein Ökonom am Massachusetts Institute of Technology., veröffentlichte zusammen mit vier anderen Ökonomen ein Papier mit dem Titel "The Fall of the Labor Share and the Rise of Superstar Firms". (Der Rückgang des Anteils der Arbeit und der Aufstieg von Superstar-Firmen) Darin lesen wir:

"Die Branchen sind zunehmend durch eine Charakterisierung von "winner take most" (Die Gewinner nehmen das meiste) gekennzeichnet, bei der eine kleine Anzahl von Unternehmen einen sehr großen Marktanteil erlangen."

Unter Ökonomen ist eine der am häufigsten diskutierten Entwicklungen der sprunghafte Rückgang des Anteils der Arbeit an der gesamten Wirtschaftsleistung. In einem Papier aus dem Jahr 2016, "Declining Labor and Capital Shares" (Rückläufige Arbeits- und Kapitalanteile) , fand Simcha Barkai, Professor für Finanzwesen an der London School of Business, heraus, dass der Rückgang der Arbeitsquote einen großen Gewinner hervorbrachte, die Gewinnquote, die von 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 1984 auf 16 Prozent 2014 stieg. Barkai schreibt:

"Um ein Gefühl für die Größenordnung zu geben: die gemeinsamen Anteile von Arbeit und Kapital sind um 13,9 Prozentpunkte gesunken, was 1,2 Billionen Dollar im Jahr 2014 entspricht. Der geschätzte Gewinn im Jahr 2014 betrug ca. 15,7%, was 1,35 Billionen US-Dollar oder 17.000 US-Dollar für jeden der ca. 80 Millionen Mitarbeiter im nichtfinanziellen Unternehmenssektor gleichkommt."

Mit anderen Worten, Aktionäre und Unternehmer haben durch die Erhöhung der Gewinnbeteiligung Gewinne in Höhe von 1,35 Billionen US-Dollar oder 17.000 US-Dollar pro Mitarbeiter erzielt. Tatsächlich ist die Kluft zwischen ArbeiterInnen und Kapitalisten, Reichen und Armen, jetzt größer als je zuvor in den letzten hundert Jahren - das heißt, seit der Zeit, als Teddy Roosevelt die raubgierige Herrschaft derer, die er die Räuberbarone nannte, verurteilte.

Was die Fachsprache von Ökonomen verschleiern kann, ist, dass dies für viele Menschen sehr schmerzhaft ist. Die unaufhaltsame Zunahme der Ungleichheit zwischen Reich und Arm in den Vereinigten Staaten ist keineswegs eine Erfindung der Linken. Es ist eine empirisch überprüfbare Tatsache, die bei den hartnäckigsten Verteidigern des kapitalistischen Systems immer häufiger die Alarmglocken läuten lässt.

Dies erklärt zu einem großen Teil, warum die Ideen des Sozialismus in den Vereinigten Staaten von Amerika ein immer größeres Publikum finden. Sie enthüllt auch die Lüge, dass die Interessen von ArbeiterInnen und Kapitalisten identisch sind und unterstreicht die Tatsache, dass die grundlegende Bruchlinie in der Gesellschaft der Antagonismus zwischen Lohnarbeit und Kapital ist.

Keinen Anreiz?

Nun zur Frage der Motivation. Das Dokument informiert uns darüber:
"Bei der Bewertung der Auswirkungen sozialistischer Politik ist es wichtig zu erkennen, dass diese wenig materielle Anreize für Produktion und Innovation bietet und durch die kostenlose Verteilung von Waren und Dienstleistungen verhindert, dass Preise wirtschaftlich wichtige Informationen über Kosten und Verbraucherbedürfnisse und -wünsche offenlegen. In diesem Zusammenhang argumentierte die damalige Premierministerin des Vereinigten Königreichs, Margaret Thatcher (1976), einmal: 'Sozialistische Regierungen.... geht irgendwann das Geld anderer Menschen aus‘, und so besteht der Weg zum Wohlstand darin, dass der Staat dem Volk mehr Wahlmöglichkeiten gibt, sein eigenes Geld auf seine eigene Weise auszugeben".

Jetzt wissen wir es: "Der Sozialismus nimmt die Privatinitiative und hemmt die Innovation", ja, wir kennen den Song, und wir kennen auch den Text. Sie sind uns schon seit langem bekannt. Aber dieses sich ständig wiederholende Dröhnen wird im Laufe der Zeit nicht sanfter.

Aber wartet eine Sekunde! Sie sagen, dass der Sozialismus den ArbeiterInnen keine Anreize bietet. Aber welche Anreize für die ArbeiterInnen gibt es in Ihrem System?

Die Arbeiter in den USA haben lange Arbeitszeiten, oft unter sehr schlechten Bedingungen, und allzu oft müssen sie mehrere Jobs annehmen, um bis zum Ende des Monats zu überleben. Ein Arbeiter steht früh am Morgen auf, kämpft sich an den Arbeitsplatz, arbeitet rund um die Uhr, kommt geistig und körperlich erschöpft nach Hause, schläft vor dem Fernseher ein, wacht dann morgens auf und die ganze erbärmliche Routine beginnt von neuem. Sicherlich müssen sich die Menschen fragen, ob man das als wirklich lebendiges Leben bezeichnen kann.

Es gibt eine Geschichte über Donald J. Trump, die vielleicht wahr ist oder auch nicht, aber sicherlich erleuchtend. Der Präsident wurde von einigen seiner Milliardärskollegen zu einem Abendessen nach Manhattan eingeladen. Während seiner Rede nach dem Abendessen prahlte er in seiner üblichen, übertriebenen Art: "Ich habe eine Million neuer Arbeitsplätze geschaffen." Der Kellner - wahrscheinlich ein armer Latino-Immigrant - wurde gehört: "Ich weiß, Mr. President. Ich habe drei davon!"

Die Kapitalisten haben viele materielle Anreize, um riesige Vermögen zu erwerben, indem sie den Mehrwert aus dem Schweiß der ArbeiterInnen herauspressen. Letztere hingegen sind nur "motiviert" durch die Notwendigkeit zu überleben, genug zu verdienen, um die monatlichen Rechnungen und die Miete zu bezahlen, damit sie und ihre Familien nicht auf der Straße landen. Nur in letzterem Fall muss das Wort "Motivation" durch ein anderes Wort ersetzt werden: Zwang.

Das Ende des amerikanischen Traums

In der Vergangenheit hatten wir den sogenannten amerikanischen Traum. Viele Menschen glaubten, dass, wenn sie hart genug arbeiteten, opferten und Geld sparten, sie eines Tages in der Lage sein könnten, aus der Arbeiterklasse herauszukommen und ein wohlhabender Geschäftsmann oder eine reiche Geschäftsfrau werden. Nicht mehr! Der amerikanische Traum ist zum amerikanischen Albtraum geworden. Egal wie hart man arbeitet, man spart nie genug Geld, um ein Leben zu verändern. Die Dinge scheinen immer gleich zu bleiben. Tatsächlich scheinen die Dinge immer schlimmer zu werden.

In der Vergangenheit konnten auch arme Menschen hoffen, dass es für ihre Kinder besser wird. Jede Generation junger Amerikaner konnte sich auf ein Leben freuen, das besser war als das ihrer Eltern. Nicht mehr! Fakten und Zahlen belegen, dass die heutige Generation junger Amerikaner kein besseres Leben erwarten kann als ihre Eltern. Im Gegenteil, das Leben wird härter, gemeiner, ungleicher, ungerechter und unsicherer als je zuvor.

Zu all diesen Fakten haben die Autoren des Dokuments nichts zu sagen. Die Summe ihrer Weisheit besteht darin, die amerikanischen ArbeiterInnen und Jugendlichen zu warnen, dass der Sozialismus ihnen keinen Anreiz bietet. Welchen möglichen Anreiz sie in dem derzeitigen System haben, sagen sie nicht.

„Dies ist ein empirischer Bericht über den Sozialismus, der die aktuelle US-Politik als Maßstab nimmt. Diese Bewertung hat den Vorteil, messbar zu sein, unterscheidet sich aber notwendigerweise von theoretischen Konzepten des ‚Kapitalismus‘ oder ‚freier Märkte‘, da die US-Regierung ihre Tätigkeit nicht auf theoretisch definierte öffentliche Güter beschränken darf.“

Es ist unmöglich, die Bedeutung dieses Absatzes zu verstehen - auch wenn man sich aus einem verwickelten Dschungel von Grammatik und Syntax herauskämpfen könnte (was an sich schon eine beachtliche Leistung wäre). Lassen Sie uns zunächst darauf hinweisen, dass es sich bei weitem nicht um einen "empirischen Bericht" handelt, sondern um absolut nichts Empirisches. Es wird nicht eine einzige Tatsache angeführt, die eine Reihe von unbegründeten Behauptungen und Anschuldigungen untermauert. Dennoch haben sie die Kühnheit zu behaupten, dass dieser "Erfahrungsbericht", der nicht auf identifizierbaren Fakten basiert, den Vorteil hat, "messbar" zu sein.

Vergesst die Messbarkeit! Es wäre ein großer Vorteil, wenn es zumindest verständlich wäre.
Aber erwartet man vielleicht zu viel von einem Weißen Haus, das den mentalen Windungen eines Donald J. Trump folgt. Messbar ist sicherlich, dass in den Vereinigten Staaten von Amerika die Reichen obszön reicher werden, während die Armen immer ärmer werden. Das ist ein Maßstab, der selbst für die blindesten unter den Blinden sehr deutlich ist. Leider scheint es der intellektuellen Elite des Weißen Hauses nicht klar zu sein.

Nachdem wir mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, um uns aus dem syntaktischen und grammatikalischen Dschungel zu kämpfen, erreichen wir endlich nun eine Lichtung. Mit einem hörbaren Seufzer der Erleichterung sind die Autoren des Dokuments endlich zu dem Schluss gekommen:

"Im Vergleich zum US-Maßstab stellen wir fest, dass sozialistische öffentliche Politik, obwohl sie angeblich gut gemeint ist, klare Opportunitätskosten hat, die direkt mit dem Grad zusammenhängen, in dem sie besteuert und reguliert werden."

Unsere Freunde im Weißen Haus teilen uns freundlicherweise mit, dass Sozialisten zwar gute Absichten haben, aber unmöglich mit den großen Erfolgen und Möglichkeiten der freien Marktwirtschaft (hier als "US-Maßstab" bezeichnet) konkurrieren können. Warum nicht? Wegen des Grades, in dem sie Steuern erheben und regulieren.

Jetzt weiß jeder, dass es zwei Wörter gibt, um engagierte Republikaner garantiert zu einem Tobsuchtsanfall zu bringen, diese Wörter sind Steuern und Regulierung. Solche Worte zu äußern, wird von ihnen als annähernd gleichwertig mit dem Fluchen am Sonntag in der Kirche angesehen.

Besteuerung und Regulierung sind der Tod der freien Marktwirtschaft, wie wir alle wissen. Die Märkte funktionieren am besten, wenn es überhaupt keine staatliche Beteiligung gibt. Wenn sie sich selbst überlassen werden, werden die Märkte alle Probleme lösen. Es wird keine Krisen geben, wir alle werden ein glückliches, produktives und vor allem profitables Leben führen.

Diese beruhigende Theorie, die von Margaret Thatcher, die in dem Dokument herzlich zitiert wird, begeistert angenommen wurde, war früher in jedem Schulbuch enthalten. Sie wurde bis zum Überdruss in jedem Seminarraum der Universität wiederholt. Sie nahm einen ähnlichen Platz in den Schlagworten der politischen Ökonomie ein wie die Zehn Gebote in der Bibel.

Heutzutage ist eine wachsende Zahl von Ökonomen – das müssen nicht unbedingt Linke sein - zu dem Schluss gekommen, dass ein gewisses Maß an Regulierung absolut notwendig ist, um das schreckliche Durcheinander, wie wir es 2008 erlebt haben, zu verhindern. Sie erkennen, dass eine neue Krise unvermeidlich ist. Und sie haben völlig Recht, denn solche Krisen sind dem kapitalistischen System innewohnend und völlig unvermeidlich.

Aber unsere Intellektuellen im Weißen Haus können sich nicht dazu durchringen, dem zuzustimmen. Sie können die Idee der Regulierung der kapitalistischen Wirtschaft nicht ertragen, da diese ihrer Meinung nach von selbst sehr gut funktioniert. Die Lektionen von 2008, oder besser gesagt 1929, sind für sie ein Buch mit sieben Siegeln.

Was die Besteuerung betrifft, so ist das eine unverzeihliche Einmischung in die grundlegende Triebkraft des Kapitalismus. Sie stört das Allerheiligste: die Gewinne. Es ist egal, dass viele Schulen im reichsten Land der Welt zusammenfallen. Es ist egal, dass das amerikanische Gesundheitssystem Millionen von Menschen im Stich lässt und von den Bürgern anderer Länder mit Entsetzen betrachtet wird. Vergesst all diese Dinge, solange die Gewinne der Großbanken und Wall-Street-Haie gesichert sind. Tatsächlich zahlen die Banker und Kapitalisten in den USA und in allen anderen kapitalistischen Ländern wenig oder gar keine Steuern. Sie bezahlen kluge Anwälte, um Lücken in den Gesetzen zu finden, die es ihnen ermöglichen, dass Milliarden von Dollar in Steueroasen in der Karibik und anderswo abfließen. Ihre ständige Prinzipienreiterei bezüglich der Steuerlast ist völlig unecht.

In Wirklichkeit sind es die Arbeiterklasse und die Mittelschicht, die den Löwenanteil der Steuern zahlen. Aber das hinderte Trump nicht daran, eine Gesetzgebung einzuführen, die die Besteuerung der Reichen drastisch reduziert, während sie dem Rest ein paar Krümel überlässt. Hier haben wir also den eigentlichen Maßstab der US-Wirtschaftspolitik: die Armen auszurauben, um den Reichen zu helfen. Das ist ein sehr schöner Anreiz - für die reichsten ein Prozent der Bevölkerung, aber keineswegs für die restlichen 99 Prozent.

Die " Markteffizienzhypothese"

Die Ökonomen präsentieren uns ein schönes Bild, in dem der freie Markt alle unsere Probleme ohne Regulierung oder staatliche Eingriffe lösen würde. Nach dieser Theorie gleichen sich Angebot und Nachfrage am Ende immer aus, so dass der Markt wie eine Art Pendel wirkt, das von einem Punkt zum anderen glatt schwingt, aber immer zu einem perfekten Gleichgewicht zurückkehrt.

Die wunderbare Idee, dass sich die kapitalistische Marktwirtschaft automatisch und ohne staatliche Eingriffe regulieren lässt, wurde in einer Theorie verankert, die als Markteffizienzhypothese bekannt ist. Das sollte eine neue Idee sein. In der Tat war es eine sehr alte Idee. Früher war diese als Sayches Theorem bekannt - ein Unsinn, der vor etwa 150 Jahren von Karl Marx systematisch demontiert wurde.

Im Gegensatz zu den theoretischen Ökonomen des Seminarraums der Universität hat der Milliardär George Soros ein ziemlich gutes Verständnis dafür, wie Märkte in der Praxis funktionieren, da er damit viel Geld verdient hat. Er sagte, der Markt sei nicht wie ein Pendel, sondern wie eine Abrissbirne - die Art, die auf Baustellen zum Abriss von Gebäuden verwendet wird. Er sollte recht behalten, als 2008 die freie Marktwirtschaft über Nacht wie ein Kartenhaus zusammenbrach.

Was taten die Bankiers und Kapitalisten damals? Haben sie gesagt: "Der Staat darf sich nicht einmischen. Die Märkte werden sich am Ende selbst in Ordnung bringen." Nein, haben sie nicht! Sie kamen mit ausgestreckten Armen zum Staat gerannt und forderten große Mengen an öffentlichen Geldern, um sie zu retten. Und dann geschah etwas Außergewöhnliches. George W. Bush, ein republikanischer Präsident und energischer Anhänger der freien Marktwirtschaft und Gegner jeglicher staatlichen Intervention, kam mit einem offenen Scheckbuch daher. "Wie viel wollt ihr, Jungs? Eine Milliarde? Nimm eine Milliarde! Zehn Milliarden? Hier, nimm alles! Schließlich sind es nur öffentliche Gelder."

Und die Bankiers nahmen es - alles. Das und die gewaltigen Kosten der Afghanistan- und Irak-Kriege sind der Ursprung des berüchtigten Defizits - zu dem die Autoren dieses Dokuments absolut nichts zu sagen haben. Tatsache ist, dass im Jahr 2008 das kapitalistische System mit atemberaubenden Mengen an öffentlichen Geldern gerettet wurde.

Im Kommunistischen Manifest schrieben Marx und Engels: " Der Staat wird zum bloßen ‚Ausschuss‘, der die ‚gemeinschaftlichen Geschäfte‘ der Bourgeoisie verwaltet.“ Das ist genau das, was wir hier sehen. Im Jahr 2008 wurde das kapitalistische System durch die Intervention des Staates gerettet - genau desselben Staats, der keine Rolle in der Wirtschaft spielen sollte. Die Privatbanken und Unternehmen wurden vom Staat wie ein kranker Mann auf Krücken unterstützt. Ohne diese Intervention wären sie zusammengebrochen.

Die Priorität des kapitalistischen Staates ist die Erhaltung der gegenwärtigen Ordnung. Sein oberstes Anliegen ist es, die Gewinne des Privatsektors zu sichern, desselben Privatsektors, der 2008 die Weltwirtschaft ruiniert hat. Natürlich haben die Jungs von der CEA zu all dem überhaupt nichts zu sagen. Es ist zu peinlich zuzugeben, dass ihre viel gepriesene Marktwirtschaft gezeigt hat, dass sie (buchstäblich) bankrott war und vom amerikanischen Steuerzahler gerettet werden musste. Sie sind auch nicht bestrebt, uns zu sagen, wie hoch die Opportunitätskosten dieser Operation waren oder wie die Großzügigkeit der US-Steuerzahler belohnt wurde.

Lassen Sie uns das in einer einfachen Sprache ausdrücken, damit auch die Mitglieder der CEA es verstehen können. Die Privatbanken und Unternehmen erhielten das Äquivalent einer riesigen Bluttransfusion, welche die öffentlichen Finanzen trockenlegte und sie in einen Zustand chronischer und lebensbedrohlicher Anämie brachte. Ein riesiges schwarzes Loch in den privaten Finanzen der Großbanken wurde auf wundersame Weise in ein gigantisches schwarzes Loch in den öffentlichen Finanzen verwandelt. Seitdem wird uns gesagt, dass es kein Geld für Schulen, Gesundheit, Renten, Straßen, Häuser oder etwas anderes gibt, das vom kapitalistischen System nicht als Priorität angesehen wird.

Wenn ein Arbeiter eine Maschine in einer Fabrik zerstörte, würde er sofort entlassen und möglicherweise auf Schadenersatz verklagt werden. Aber wenn eine Bande hochbezahlter Banker das gesamte Weltfinanzsystem zerstört, werden sie nicht entlassen, nicht verklagt, nicht wegen Betrugs ins Gefängnis gesteckt, wie sie es wohl verdient hätten. Stattdessen werden sie mit riesigen Mengen an öffentlichen Geldern belohnt - Geld, das aus den Taschen der ärmsten und verletzlichsten Schichten der Gesellschaft gestohlen wird. Es bedeutet Austeritätspolitik für die da unten und öffentliche Zuwendungen für die da oben. Es ist wie bei Robin Hood, nur umgekehrt!

Im dritten Teil wird Alan auf die Haltung des Weißen Hauses zum so genannten skandinavischen Sozialismus, Russland und Venezuela reagieren...

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